Letzte Aktualisierung: 11.1.2018

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Dr. Axel Vogelreuter:
Nahrungsmittelunverträglichkeiten



Meine persönliche Bewertung:


Exzellente Informationen für Fachleute



Auf den ersten Blick mag es irritieren: Kann ein Apotheker wirklich erschöpfend über Nahrungsmittelunverträglichkeiten informieren? Der zweite Blick, also der Blick ins gleichnamige Buch, beantwortet diese Frage mit einem eindeutigen »Ja«. Zumindest gilt dies für den auf dem Rückentext ausgelobten Adressatenkreis – für Fachleute wie Berater, Begleiter und Therapeuten, also für Leser, die bereits umfangreiches Vorwissen mitbringen und sich vor allem in der durchgängig gebrauchten Verwendung der Fachausdrücke auskennen.

Sehr ausführlich informiert Axel Vogelreuter über Prävalenz, Ätiologie, Klinik, Diagnostik und Therapie der vier bedeutendsten Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten Laktose-, Fruktose-, Histamin-Intoleranz und Zöliakie. Während der Laktose-Intoleranz und Fruktosemalabsorption etwas weniger Raum eingeräumt werden, liegt der seitenmäßige Schwerpunkt eher auf der Histamin-Intoleranz und der Zöliakie – wohl aus dem nachvollziehbaren Grund, dass die beiden Letztgenannten unbekannter sind und damit mehr Beleuchtung benötigen. Weitere Unverträglichkeiten und Komorbiditäten werden am Rande gestreift.

Ein exzellent durchdachter Anamnesebogen (den es mitsamt einer Auswertungsschablone auch auf der zugehörigen Website zum Download gibt) rundet das Buch ab und qualifiziert es zu einem unverzichtbaren diagnostischen Hilfsmittel. Darüber hinaus nutzt das sehr umfassende Schlagwortregister zusätzlich als hervorragend geeignetes Nachschlagewerk.

Aus meiner persönlichen Sicht (Betroffene UND Beraterin) würde ich mir allerdings ein wenig mehr zum Thema »Therapie« wünschen. Dieser Bereich ist für die jeweiligen Intoleranzen nur angerissen. Für den Diagnostiker mag dies ausreichen, um erste Therapievorschläge machen und die weitergereichte Begleitung durch Ernährungs- oder Gesundheitsberater nachvollziehen zu können – für die Ernährungs- und Gesundheitsberater selbst ist das jedoch ein wenig mager. Aber wahrscheinlich ist dies nicht das Hauptanliegen dieses Buches, würde anderenfalls auch den Umfang erheblich aufblähen.

Die Dimension des ebenfalls im Anhang befindlichen Literaturverzeichnisses hat einen beachtlichen Umfang und zeugt von einer enormen Fleißarbeit und minutiösen Recherche des Autors. Wer hier Bereiche vertiefen möchte, wird auf jeden Fall fündig. Ein wenig störend sind lediglich die grundsätzlichen und wiederholten im Text untergebrachten Literaturhinweise mit Namen und Jahresangaben – hier hätten Ziffern mit Verknüpfungen auf das Literaturverzeichnis auch gereicht.

Wichtig fände ich, deutlicher als nur im Rückentext darauf hinzuweisen, dass dieses Werk nichts für Anfänger oder »nur« Betroffene ist. Allenfalls sehr aufgeklärte Betroffene, die sich bereits sehr intensiv mit ihrer Unverträglichkeit beschäftigt haben, könnten von diesem Buch profitieren.

Mein persönliches Fazit: Ein äußerst wertvolles und empfehlenswertes Buch, das trotz der aufgezählten Verbesserungsvorschläge 5 Sternchen mehr als verdient!

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