Letzte Aktualisierung: 14.4.2018

Oligosaccharid-Unverträglichkeit

– Behandlung
Die »Behandlung« der Oligosaccharid-Unverträglichkeit besteht vorrangig aus dem weitestgehenden Weglassen von oligosaccharidhaltigen Lebensmitteln (siehe »Welche Lebensmittel enthalten Oligosaccharide?«).

Weiterhin ist natürlich auf eventuelle weitere Unverträglichkeiten zu achten und mit einer adäquaten Ernährungsform zu reagieren.

Nahrungsmittel-Auswahl

Auf jeden Fall aber sollten Sie den übermäßigen Verzehr von Milch und Milchprodukten meiden (auch wenn Sie nicht laktoseintolerant sind), da diese Lebensmittel geringe Mengen an Oligosacchariden enthalten. Darüber hinaus sind fruktosereiche Lebensmittel zu reduzieren, auch dann, wenn Sie keine Fruktose-Intoleranz oder -Malabsorption haben, denn die Kapazität der für eine reibungslose Verwertung erforderlichen Transportproteine ist bei jedem Menschen begrenzt. Auch die Zuckeralkohole (Sorbit, Xylit, Mannit und Erythrit) sind unbedingt weitestgehend einzuschränken, denn sie führen bei übermäßigen Verzehrmengen immer zu Verdauungsproblemen.

Und last, but not least werden Sie die Verzehrmenge der Ballaststoffe (Polysaccharide) beobachten müssen, da diese immer nur sehr schwer verdaulich sind und gerade in Verbindung mit einer Oligosaccharid-Unverträglichkeit die Beschwerden verstärken.
 
Darmpflege

Ganz wichtig ist bei einer Oligosaccharid-Unverträglichkeit die Pflege der Darmflora, damit durch eine vorteilhafte Zusammensetzung der Keimbesiedelung möglichst viele Bakterienarten vorhanden sind, die zu einer weitestgehend folgenlosen Aufspaltung der Oligo- und Polysaccharide beitragen können.

Da sich die Qualität von Darmflora und Darmschleimhaut gegenseitig beeinflussen, sollten Sie auch für eine gesunde Darmschleimhaut sorgen. Normalerweise ist hier das Mittel der Wahl der verstärkte Verzehr von Vollkornprodukten – wodurch sich nun eine Zwickmühlensituation ergibt, denn der übermäßige Verzehr von Ballaststoffen (Polysacchariden) kann die Symptome einer Oligosaccharid-Unverträglichkeit vervielfachen. Somit ist ein sehr behutsames Vorgehen und Austesten erforderlich, um die höchstmögliche, individuell verträgliche Menge an Ballaststoffen zu ermitteln. Bevorzugen Sie dabei Produkte mit fein vermahlenem Schalenanteil, da dies bekömmlicher ist als grobe Körner. Aber auch die fein vermahlenen Körner tragen schon zu einer Abtragung der alten, abgestorbenen Zellen von der Darmschleimhautoberfläche bei und sorgen dadurch dafür, dass die jungen, leistungsfähigen Zellen ihre Funktion optimal ausüben können.

Der verstärkte Verzehr von präbiotischen Lebensmitteln ist bei einer Oligosaccharid-Unverträglichkeit nicht empfehlenswert, da die darin enthaltenen Inuline und Oligofuktose-Bestandteile meist nicht vertragen werden.

Sie können jedoch die Darmflora mit dem Verzehr von milchsauer vergorenen Getränken wie Kombucha, Wasserkefir, Kwass oder Kanne Brottrunk unterstützen, denn die dort enthaltenen Säuren (Milch-, Essig- und Glucuronsäure) fördern ein günstiges Milieu für die nützlichen Darmbakterien und hemmen dabei gleichzeitig das Wachstum und die übermäßige Vermehrung der schädlichen Keimarten. Beachten Sie unbedingt, dass Sie die Verzehrmengen dieser Getränke einschleichen, d.h. behutsam erhöhen müssen, damit sich Ihr empfindliches Verdauungssystem daran gewöhnen kann.

Probiotische Milchprodukte, die Sie mittlerweile in jedem Supermarkt in reichlicher Auswahl für teures Geld erhalten können, sind nicht empfehlenswert, da zum einen die enthaltenen Bakterienmengen viel zu gering sind und die Keime darüber hinaus die Magensäureschranke kaum überwinden können. Zum anderen sollten Sie, wie oben erwähnt, den Verzehr von Milchprodukten einschränken, da Milch Oligosaccharide enthält.

Falls Sie probiotische Nahrungsergänzungsmittel, also Präparate mit lebensfähigen Darmkeimen einnehmen möchten, um die Zusammensetzung Ihrer Darmflora zu unterstützen, gehen Sie auch hier besonders behutsam vor. Auch Probiotika müssen immer eingeschlichen werden. Bei Präparaten in Kapselform ist dies schwierig, hier sollten Sie ggf. immer die kleinstmögliche Dosierung für den Anfang wählen und vorsichtig innerhalb einiger Wochen bis zur tatsächlich empfohlenen Dosis steigern.

Ich kann Ihnen jedoch ein Probiotikum in Pulverform empfehlen, das nur einen einzigen, magensäureresistenten Bakterienstamm (Bacillus coagulans) enthält. Vor allem aber ist es frei von präbiotischen Zusätzen. Das Pulver können Sie unproblematisch einschleichen und dann auf die erforderliche Dosierung steigern (www.laktasekampagne.de).
 
Naturheilmethoden

Sie können die Intensität von Beschwerden, die nach dem Verzehr von Oligo- und Polysacchariden auftreten, ein wenig mildern, indem Sie geeignete Naturheilmethoden anwenden.

Insbesondere eignen sich hier Kräutertees, die verhindern, dass sich gebildete Darmgase festsetzen. Insbesondere sind hier die Standardsorten Anis, Fenchel und Kümmel zu nennen, aus deren frisch geschroteten Samen Sie einen blähungslösenden Tee bereiten können.

Die Produktion sämtlicher Verdauungssäfte können Sie mit Bitterstoffpflanzen anregen – hier eignen sich Artischocke und Löwenzahn als Frischpflanzenpresssaft oder auch Wermut und Enzian als Tee (wegen des bitteren Geschmacks vorsichtig dosieren!).

Versuchen können Sie auch, ob vorsichtige Darmmassagen als entspannend empfunden werden. Dabei kreisen Sie mit den flachen Händen im Uhrzeigersinn um den Unterbauch, um so die vorhandenen Gase in Richtung Ausgang zu befördern.

Auch warme Leibwickel oder Leberwickel eignen sich zur Entspannung eines gereizten Verdauungssystems und zur Unterstützung der Verdauungsfunktionen.

Grundsätzlich ist es immer gut, sich sportlich zu betätigen und so durch ausreichende Bewegung dafür zu sorgen, dass auch das Verdauungssystem so normal wie möglich arbeitet. Gemeint ist an dieser Stelle nicht etwa Leistungssport, sondern einfach nur alles, was Ihnen Spaß macht. Finden Sie hier Ihre favorisierte Sportart - am besten an der frischen Luft. Empfehlenswert sind beispielsweise Walken oder Nordic Walking, Wandern, Radfahren, Schwimmen und vieles mehr.

Und selbstverständlich können Sie ein überreiztes Verdauungssystem durch Entspannungsübungen beruhigen. Es bieten sich hier Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Meditation oder auch Yoga oder Qigong an. Alle Techniken können Sie u.a. in den Volkshochschulen erlernen und dann zu Hause weiter durchführen. Lesen Sie hier zu auch den Beitrag »Ganzheitliche Betrachtung von Magen-/Darmbeschwerden«
 
Medikamente bei Oligosaccharid-Unverträglichkeit

Es gibt keine Medikamente, die eine Oligosaccharid-Unverträglichkeit heilen könnten. Auch gibt es keine Medikamente, die die Beschwerden nachhaltig ursächlich beeinflussen könnten. Lediglich blähungstreibende Präparate (Wirkstoffgruppe der Carminativa) können verhindern, dass sich Darmgase festsetzen und dadurch schmerzhaft sind. Entweichende Blähungen allerdings können Sie nicht verhindern – die Gase werden nur zu einem Teil von den Schleimhäuten resorbiert (aufgenommen), die größeren Teile müssen auf dem natürlichen Wege entsorgt werden.
 
Enzym-Präparate

Die beste Methode zur Behandlung einer Nahrungsmittel-Unverträglichkeit ist immer das Meiden der unverträglichen Bestandteile. Dies kann jedoch bei der Oligosaccharid-Unverträglichkeit und dem gleichzeitigen Bestreben nach einer gesunden Kost manchmal eine Gratwanderung und damit nicht ganz einfach sein.

Zur Lösung dieses Problems bieten sich Enzympräparate als Unterstützung an, also frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel, die die fehlenden Enzyme ergänzen, die zur Verdauung der Oligosaccharide erforderlich sind.

Es gibt derzeit nur zwei Präparate auf dem Markt:
1. Biolabor Verdauungsenzym Tabletten (Drogeriemarkt) (www.biolabor.de)
2. Oligase 600 Kapseln (Apotheke) (www.oligase.de)

Beide Präparate enthalten pro Tablette bzw. Kapseln 600 Einheiten Alpha-Galactosidase (GalU). Bei oligosaccharidreichen Mahlzeiten ist der Verzehr von 2-4 Tabletten bzw. Kapseln angeraten, wobei die Oligase 600-Kapseln auch geöffnet und der Inhalt über die Speisen gestreut und so die Wirkung verstärkt werden kann (Achtung: nicht bei heißen Speisen, Enzyme sind hitzeempfindlich!).

Das Präparat Oligase 600 enthält darüber hinaus zusätzlich zu der Alpha-Galactosidase noch verschiedene weitere Enzyme, die bei der Verdauung von anderen Oligo- und Polysacchariden helfen.

Nicht nur wegen der zusätzlichen Enzyme möchte ich Ihnen eher die Oligase 600 empfehlen, es ist darüber hinaus auch das preisgünstigere Präparat.

Beide Präparate müssen so früh wie möglich, am besten mit dem ersten Bissen der Mahlzeit eingenommen werden, bei besonders oligosaccharidreichen und auch bei längeren Mahlzeiten empfiehlt sich die Einnahme einer weiteren Dosis während des Essens. Die Enzyme müssen sich im Magen gut mit dem Speisebrei vermischen – dies kann nur erfolgen, wenn sie vor oder während der Mahlzeit eingenommen werden. Eine nachträgliche Einnahme ist so gut wie wirkungslos – dieses Geld können Sie sich sparen.

Sollten in Zukunft weitere Präparate auf den Markt kommen, werde ich Sie an dieser Stelle informieren. Falls Sie neue Präparate entdecken, würde ich mich über eine Nachricht per eMail von Ihnen freuen. Auch Herstelleranfragen sind an dieser Stelle willkommen, um möglichst viele Informationen sammeln zu können.

 
Beratung

Gerne biete ich Ihnen eine individuelle Beratung an – auf Wunsch auch telefonisch oder per Skype.
Bitte informieren Sie sich auf meiner Praxis-Website »www.Ganzheitliche-Gesundheitsberatung.de«

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Eine zusätzliche Hilfe bei der Ermittlung geeigneter Lebensmittel stellt die
»DorisPaas.de – Lebensmittel-Datenbank« dar. Informieren Sie sich hier.







Lesen Sie hierzu auch folgende Beiträge:
Oligosaccharid-Unverträglichkeit – was ist das?
Diagnose der Oligosaccharid-Unverträglichkeit

Empfehlenswerte Literatur:
Kurz und klar: Oligosaccharid-Unverträglichkeit

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