Letzte Aktualisierung: 13.9.2018

Laktose-Intoleranz

– was ist das?
Laktose-Intoleranz (= Milchzucker-Unverträglichkeit oder Alaktasie) liegt vor, wenn keine oder zuwenig Laktase im Dünndarm gebildet wird, so dass verzehrte Laktose (Milchzucker) nicht verdaut werden kann.

Alle Säuglinge (mit Ausnahme einiger weniger, die mit einer seltenen, ererbten Form geboren werden) können Laktose verdauen – und dies ist lebenswichtig: Muttermilch (aller Säugetiere) enthält in mehr oder weniger großen Anteilen Laktose, sie ist das natürliche Kohlenhydrat in der Milch. Dieses Kohlenhydrat liefert dem Säugling die erforderliche Energie zum Wachsen und Gedeihen.

Physiologische Vorgänge

Da die Laktose-Moleküle jedoch zu groß sind, um durch die Darmwand aufgenommen und über das Blut zu den Körperzellen zu gelangen, müssen sie im Verdauungstrakt in ihre kleineren Bausteine aufgespalten werden. Der Milchzucker ist ein Zweifachzucker und besteht aus je einem Teil Glukose (Traubenzucker) und Galaktose (Schleimzucker). Mithilfe einer »chemischen Schere«, dem Enzym Laktase, kann der Zweifachzucker in die beiden Einfachzucker-Bausteine aufgespalten werden, die dann klein genug sind, die Darmwand zu durchdringen.

Nach dem Abstillen wird im Normalfall keine Milch mehr verzehrt – die Laktase-Produktion kann also nach und nach eingestellt werden. So ist es bei dem überwiegenden Teil der erwachsenen Weltbevölkerung völlig normal, dass keine nennenswerte Menge an Laktase mehr produziert wird – die meisten erwachsenen Menschen sind demzufolge laktoseintolerant. Es ist schon phantastisch, wie die Natur funktioniert: Wird etwas nicht mehr benötigt, wird die Produktion eingestellt. Ein weiterer Grund für diesen Vorgang ist, dass die bei Heranwachsenden eintretende Laktose-Intoleranz ein Schutz für Neugeborene gegenüber ihren älteren Geschwistern ist: Würden die Älteren noch Milch saugen wollen, wenn bereits ein kleineres Geschwister geboren wurde und gesäugt werden soll, so hätten Letztere zuwenig Nahrung. Wegen der fortschreitenden Unverträglichkeit bei den Heranwachsenden bekommen diese beim Versuch, noch Milch bei der Mutter trinken zu wollen, rasch Verdauungsbeschwerden, und die Milchaufnahme wird unterlassen.
 
Beschwerden

Die für die Laktose-Intoleranz typischen Beschwerden lassen sich leicht erklären: Laktase wird in der Dünndarmschleimhaut gebildet. Sie sorgt dafür, dass der Milchzucker aufgespalten wird, sobald er den Dünndarm erreicht. Fehlt das Laktase-Enzym, wird der Milchzucker nicht aufgespalten und verbleibt im Dünndarm. Von dort gelangt er mit dem Speisebrei in den Dickdarm. Hier siedeln Millionen von Bakterien, die den Milchzucker verdauen. Dabei entstehen als Abfallprodukte Säuren und Gase, u.a. Wasserstoff und Methan. Diese Gase werden zwar zu einem Teil absorbiert, mit dem Blut abtransportiert und dann über die Lunge ausgeatmet, ein großer Teil verbleibt jedoch im Darm und erzeugt Blähungen und Völlegefühl. Die Säuren reizen die Darmschleimhaut, die sich mit verstärkten Bewegungen (Darmperistaltik) und auch mit Hinzugabe von Flüssigkeit zum Darminhalt dagegen wehrt, um so die schädlichen Stoffe möglichst rasch auszuschwemmen. Die Folgen sind Bauchmerzen durch die starken Darmbewegungen und Durchfälle, weil der Stuhl nicht ausreichend eingedickt werden kann.
 
Primäre Laktose-Intoleranz

Nun gab es jedoch vor ca. 4000 Jahren bei der kaukasischen Menschenrasse eine Veränderung im Erbgut (Mutation), die bewirkte, dass auch mit fortschreitendem Alter immer weiter Laktase im Dünndarm gebildet wurde. Diese Mutation wurde in lichtarmen Gegenden verstärkt weitervererbt, denn das Trinken von (Tier-)Milch hatte hier durchaus einen Vorteil: Für ein gesundes Knochenwachstum ist es erforderlich, sowohl Kalzium zur Stärkung als auch Vitamin D oder Laktose als Transportmittel für das Kalzium-Mineral in die Knochenstrukturen aufzunehmen. Die Aufnahme von Kalzium über die Nahrung stellt kein Problem dar, Vitamin D kann jedoch schnell fehlen, wenn der Mensch nicht genügend Sonnenlicht bekommt, denn dieses Vitamin ist das einzige, was der Körper selbst herstellen kann – vorausgesetzt, es ist genügend Sonnenlicht vorhanden. In den sonnenreichen Gegenden um den Äquator ist dies der Fall, in den lichtärmeren Gegenden im Norden kann jedoch schnell ein Vitamin D-Mangel auftreten. Somit muss Vitamin D oder ersatzweise Laktose über die Nahrung aufgenommen werden, um mit starken Knochen dem Kontrahenten entgegentreten zu können.

Milch enthält sowohl Kalzium als auch Vitamin D und Laktose. Somit hatten Menschen in den lichtarmen Gegenden, die aufgrund ihres veränderten Erbgutes Milch auch noch als Erwachsene vertrugen, ihren Gegnern ohne diese Mutation gegenüber einen Vorteil, sie überlebten länger, hatten mehr Nachkommen und konnten somit die verändeten Erbanlagen verstärkt weitergeben. In sonnenreichen Gegenden trug die Mutation zu keinem strategischen Vorteil bei – es gab dort keine verstärkte Weitergabe dieser veränderten Genausstattung.

Dies ist der Grund, warum in den nördlichen Gegenden in Nordeuropa und Nordamerika mehr Menschen Laktose vertragen (laktosetolerant sind) als solche, die laktoseintolerant sind. In Schwarzafrika und in Asien, also den lichtreicheren Gegenden, sind fast alle Menschen laktoseintolerant. Und weil dies dort eben vollkommen normal ist, würde in diesen Ländern auch niemand auf die Idee kommen, milchzuckerhaltige Nahrung anzubieten oder zu verzehren – alle würden Verdauungsbeschwerden bekommen. Somit enthält die landestypische Kost dort keinen Milchzucker.

Für laktoseintolerante Menschen, die in Gegenden wohnen, deren Küche Milchprodukte oder gar Nahrungsmittel mit industriell zugesetztem Milchzucker enthält, bekommen durch diesen Verzehr die oben beschriebenen Beschwerden. Und leider werden sie – eben weil sie hier in der Minderheit sind, rasch als krank betrachtet, denn die Mehrheit bekommt ja schließlich keine Probleme. In Asien oder Afrika würde niemandem einfallen, einen Menschen als krank zu bezeichnen, wenn er Nahrungsmittel zu sich nimmt, die alle anderen auch nicht vertragen.

Somit ist es zwar vollkommen natürlich, laktoseintolerant zu sein. An Laktose-Intoleranz zu leiden folgt jedoch nur aus der Tatsache, dass hier bei uns laktoseintolerante Menschen in der Minderheit sind und deshalb die sich daraus ergebenden Bedürfnisse bei der Ernährung zuwenig berücksichtigt werden. Es ist also erforderlich, dass wir auf uns selber achten und nur das essen, was wir vertragen, sprich, uns so weit wie möglich laktosefrei ernähren, um beschwerdefrei zu bleiben (zu werden). Zusätzlich gibt es Laktase-Präparate, die die Laktoseverdauung im Notfall unterstützen können. Und nicht zuletzt sollte darauf geachtet werden, dass wir unsere Darmflora pflegen und die Bakterienbesiedelung in einem gesunden Gleichgewicht halten, denn dies kann eine gesunde, beschwerdefreie Verdauung unterstützen.

Bei einer angemessenen Ernährung und mit einer gesunden Darmflora ist es möglich, auch mit Laktose-Intoleranz in einem überwiegend laktosetoleranten Umfeld beschwerdefrei zu leben.
 
Laktose-Intoleranz – Eine Krankeit mit der Aussicht auf Heilung?

Eine Heilungsmöglichkeit für die primäre Laktose-Intoleranz besteht nicht, da die primäre Laktose-Intoleranz keine Erkrankung, sondern eben der Normalfall der Natur ist und durch die Erbanlagen bestimmt und gesteuert wird. Lesen Sie hierzu auch die Antwort auf die Frage »Ist Laktose-Intoleranz eine Krankheit?«

Auch eine Behandlung ist aus diesem Grunde nicht möglich, es gibt jedoch verschiedene Formen, mit der Laktose-Intoleranz umzugehen, um ein beschwerdefreies Leben zu führen. Lesen Sie hierzu auch den Beitrag auf der Seite »Behandlung« der Laktose-Intoleranz«.
 
Sekundäre Laktose-Intoleranz

Es gibt neben der primären Laktose-Intoleranz noch eine weitere Form, die sekundäre Laktose-Intoleranz. Hierbei entsteht die Milchzucker-Unverträglichkeit infolge von entzündlichen Darmerkrankungen.

Die durch diese Grunderkrankungen hervorgerufenen Entzündungen können hierbei die Darmschleimhaut soweit schädigen, dass die Zellen die Laktase-Produktion einstellen. Sobald die Entzündungen abgeheilt sind, ist es möglich, dass die Darmschleimhautzellen die Laktase-Produktion wieder aufnehmen können, was in der überwiegenden Anzahl der Fälle auch geschieht. Aus diesem Grund wird die sekundäre Laktose-Intoleranz auch "temporäre Laktose-Intoleranz" genannt.

Als Ursachen für diese Form können u.a. die Zöliakie (Unverträglichkeit von Gluten mit der Folge von starken Entzündungen der Darmschleimhaut bei Nichtbehandlung), Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa sein. Bei einer sekundären Laktose-Intoleranz ist es – genauso wie bei der primären Form – wichtig, durch eine konsequent laktosefreie Ernährung den Darm zu schonen. Darüber hinaus muss mit einer angemessenen Behandlung die entzündliche Grunderkrankung ausgeheilt werden: Bei einer Zöliakie muss eine absolut glutenfreie Diät eingehalten werden, alle weiten Krankheiten müssen ebenfalls mit den angepassten Diätformen und ggf. mit Medikamenten behandelt werden.

Im Gegensatz zur primären Laktose-Intoleranz kann die sekundäre Laktose-Intoleranz im weitesten Sinne tatsächlich als Krankheit verstanden werden – zumindest als Begleiterkrankung (Komorbidität) einer anderen, einer entzündlichen Darmerkrankung. Wird diese geheilt, besteht auch eine Heilungschance für die sekundäre Laktose-Intoleranz.

In diesem Lexikon finden Sie alle Fachbegriffe rund um das Thema »Laktose-Intoleranz«


 
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»Behandlung« der Laktose-Intoleranz
Informationen über Milch
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Fragen und Antworten zum Thema Laktose-Intoleranz

Empfehlenswerte Literatur:
Das Laktose-Intoleranz Buch
Kurz und klar: Milchzucker-Unverträglichkeit




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