Letzte Aktualisierung: 11.1.2018

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Hans-Ulrich Grimm:
Vom Verzehr wird abgeraten



Meine persönliche Bewertung:


Sehr empfehlenswerte Lektüre – spätestens jetzt wissen wir Bescheid!


Der Titel »Vom Verzehr wird abgeraten« nimmt die Schussfolgerung des Autors zum Thema schon vorweg und unterstreicht die Gewichtigkeit des Themas. Auch der Untertitel »Wie uns die Industrie mit Gesundheitsnahrung krank macht« lädt zum Kauf des Buches ein, und spätestens der Klappentext »Gesunde Ernährung kann Ihre Gesundheit gefährden – wenn Sie der Werbung vertrauen ... « macht den kritischen Konsumenten noch neugieriger. Und er wird nicht enttäuscht: Das Buch informiert über die diversen Praktiken der Nahrungsmittelproduzenten, uns mit Gesundheitsversprechen für dumm zu verkaufen.

Im ersten Kapitel allerdings war zumindest ich dann doch überrascht, dass es tatsächlich Verbraucher gibt (geben soll), die bei Biokost – denn um diese handelt es sich im ersten Teil des Buches – tatsächlich meinen, Fertiggerichte wie beispielsweise Tütensuppen gäbe es in »Bio«-Qualität. Hier würde ein nachdenkender (Bio-)Konsument schon den Widerspruch in sich bemerken. Und die ganzen Gesundheitsversprechen, die mit den Healthclaims vorgegaukelt werden, glaubt ein aufgeklärter Konsument (hoffentlich) auch nicht. Somit dürfte zumindest der erste Teil des Buches bei all den Lesern, die sich bisher schon Gedanken um ihre Gesundheit gemacht haben und um das, was sie verzehren, die sprichwörtlichen Eulen nach Athen tragen. Trotzdem fand ich es sehr interessant, hier Vieles bestätigt zu bekommen, was (mir) schon bekannt war. Vielleicht hätte ich mir an dieser Stelle gewünscht, dass ein paar mehr Beispiele als die immer wieder zitierten Becel Pro.activ Margarine, Actimel und wenige andere Produkten angeführt werden – aber als abschreckende Modelle sind diese natürlich prädestiniert.

In den folgenden Kapiteln wird nicht nur Biokost unter die kritische Lupe genommen, es werden auch natürliche Lebensmittel und völlig neu »erfundene« Substanzen gegenübergestellt: »… völlig neue Berufsgruppen mischen mit im Geschäft mit der gesunden Ernährung. [...] Sie bringen völlig neue Substanzen ins Spiel. Es ist auch ein bisschen Spiel mit der Gesundheit. Denn die Wirkung der neuen Produkte auf den menschlichen Körper wurde niemals […] untersucht. Bei den Früchten der Natur ist das anders: Die sind über Jahrtausende erprobt. Es sieht also so aus, als ob bei den beiden Modellen für das Geschäft mit der Gesundheit bei dem einen eher das Geschäft im Vordergrund steht und bei dem anderen die Gesundheit.« Auch dieser Ausspruch überrascht mich nicht wirklich, es ist jedoch (leider) auch für den aufgeklärtesten Verbraucher immer wieder fesselnd, wie mit unserer Gesundheit aus reiner Gewinnsucht ein »Spiel« getrieben wird!

Ein »Muss« sollte das Buch auf jeden Fall für all diejenigen sein, die von diesen Praktiken der Nahrungsmittelhersteller noch nichts gehört haben – ich will es mal vorsichtig »Verschaukel-Praktiken« nennen, um die mir eigentlich eher auf der Zunge liegende Bezeichnung »gesundheitsschädigender bis sogar (lebens)-gefährlicher Betrug« zu vermeiden.

Und erst recht ein »Muss« sollte dieses Buch für jeden Politiker sein, der in den Gesundheits- oder Verbraucher-Ministerien entscheidet – und natürlich auch für jedes Mitglied des Europaparlaments, in dem nicht nur in Gesundheitsfragen immer wieder der kleinste gemeinsame Nenner für die Gesundheit vieler Millionen Menschen gefunden wird.

Jeder Leser – Konsument und Politiker – egal ob er sich bisher mit den Hintergründen der Herstellungsverfahren und Inhalten seiner Nahrung bzw. der Nahrung seiner Schutzbefohlenen beschäftigt hat oder nicht, wird nach der Lektüre dieses Buches zu dem Schluss kommen müssen, dass es überlebenswichtig ist, sich mehr Gedanken um das Essen und damit um die Gesundheit zu machen.

Dass aber etwa die Nahrungsmittelhersteller Lehren aus diesem Buch ziehen werden, wage ich kaum zu hoffen – höchstens, dass die sich nach der Aufdeckung ihrer Praktiken nun zum eigenen finanziellen Nutzen neue Fallen ausdenken, in die wir tappen (sollen)!

Fazit: Der Verbraucher wird aber nach der Lektüre dieses sehr empfehlenswerten Buches hoffentlich eines gelernt haben, dass es nämlich zwingend erforderlich ist, in Zukunft die Augen aufzuhalten und sich eben nicht ein X für ein U vormachen zu lassen. Und dass offensichtlich nur eines hilft: selbst die Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen und genau hinzuschauen, was von den Politikern (im Interesse und in Eintracht mit der Industrie) als »ungefährlich« deklariert und uns von den sich dadurch legitimiert sehenden Herstellern als »Lebens«-mittel verkauft wird.

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