Letzte Aktualisierung: 14.4.2018

Chlor im Trinkwasser

Der Mensch benötigt jeden Tag Flüssigkeit. Etwa 1,5 – 2 Liter sind neben der in der Nahrung enthaltenen Flüssigkeit erforderlich, um die Stoffwechselfunktionen aufrecht zu erhalten. Am besten eignet sich hier einfaches Wasser – eventuell aufbereitet zu Teegetränken, denn alle anderen Getränke wie Fruchtsäfte oder gar Limonaden, Colagetränke oder auch Milch sind durch ihren Gehalt an zusätzlichen Nährstoffen weniger Getränke als Nahrungsmittel.

Unser Trinkwasser ist nicht nur unser wichtigstes, sondern auch eines der am besten kontrollierten Lebensmittel. Obwohl die Qualität durch die Trinkwasserverordnung gesetzlich garantiert sein sollte, heißt dies aber nicht, dass es zwangsläufig auch immer förderlich für unsere Gesundheit ist.

Trinkwasser wird entweder über Brunnen aus dem Grundwasser entnommen, es kann aber auch aus Quellen oder Oberflächengewässern gewonnen werden. Dieses Wasser wird in den Wasserwerken aufbereitet und in mehreren Filterstufen von groben Schwebstoffen gereinigt, auf Keime untersucht, ggf. entkeimt und erst nach dem Nachweis einer Unbedenklichkeit ins Leitungsnetz eingespeist.

Leitungswasser hat immer Trinkwasserqualität, d.h. es sollte unbedenklich getrunken werden können. Auch das Wasser, das wir zum Kochen, Duschen, Wäschewaschen oder auch für die Toilettenspülung benutzen, ist Trinkwasser. Es gibt also keine Unterschiede, wofür wir das Wasser, das wir aus der Leitung zapfen, verwenden. Dies mag sich zwar übervorsichtig und teuer anhören, ist aber unumgänglich, da es ja nur eine Art von Wasserleitungen gibt. Jeder Tropfen könnte getrunken werden und muss somit unbedenklich für unsere Gesundheit sein. Eigentlich!

In letzter Zeit ist immer häufiger vor allem in der Presse zu lesen, dass das Trinkwasser keineswegs frei von Keimen ist und sogar Krankheitserreger wie u.a. Fäkalbakterien enthalten sein können, die die Gesundheit – insbesondere für Kranke und/oder Kleinkinder – stark gefährden können.

Auch andere Schadstoffe, wie z.B. Nitrat oder die Schwermetalle Blei, Kupfer oder Nickel dürfen eigentlich nur bis zu bestimmten Höchstgrenzen enthalten sein, können aber wie auch der Gehalt an Krankheitskeimen nur bis zum sogenannten »Übergabepunkt« – also dem Punkt, an dem das Wasser von den städtischen Leitungen an die Hausleitung übergeben wird – garantiert werden. Danach ist der Hauseigentümer für die Reinheit des Trinkwassers verantwortlich, die sich aber hier beispielsweise durch alte Bleirohre drastisch verschlechtern kann.

Auch kann sich eine vor dem Übergabepunkt vielleicht nur kleine Population mit Krankheitserregern im Hausleitungsnetz stark vermehren, wenn hier nicht regelmäßig Wasser entnommen wird und so das Wasser über längere Zeit steht. Auch kann sich in Wasser, das in den Leitungen nur mäßig warm ist – beispielsweise weil wir alle bestrebt sind, Energie zu sparen – eine starken Vermehrung von Keimen wie u.a. Legionellen entwickeln (ein guter Schutz ist hier das regelmäßige kurzfristige Erwärmen auf mindestens 60°C).

Somit sind die Wasserwerke daran interessiert, diese minimalen Verkeimungen im gelieferten Trinkwasser so gering wie möglich zu halten, wozu sie ja auch durch die Trinkwasserverordnung verpflichtet sind.

Da eine biologische Entkeimung aber teuer ist, greift man im Wasserwerk lieber zur chemischen Keule in Form von Chlor. Wir kennen den scheußlichen Geruch von Chlor z.B. aus den öffentlichen Hallenbädern, in denen das Schwimmwasser stark chloriert wird, um allen Keime, die durch die Badegäste ins Becken gelangen, den Garaus zu machen. Das muss wohl auch so sein, denn die Dichte von Menschen ist in den Schwimmhallen sehr viel größer als in einem Badesee, der natürlicherweise nicht gechlort wird oder werden kann, und darüber hinaus ist im Hallenbad das Wasser meist mehr oder weniger stark erwärmt, wodurch es rasch zur Brutstätte für Krankheitserreger werden könnte. Dies heißt aber nicht, dass dieses Wasser, das ja auch in den Mund und damit in unseren Körper gelangen kann, unbedenklich wäre, auch wenn es natürlich nicht als Trinkwasser deklariert wird.

Auch Trinkwasser wird gechlort – nicht in jeder Gemeinde, die meisten Städte kommen glücklicherweise ohne Chlorierung aus. Mir als gebürtiger Berlinerin ist von früher, als noch die übervorsichtigen Amerikaner in ihrer Besatzungszone für eine drastische Chlorierung des Trinkwassers sorgten, der unangenehme Chlorgeruch in der Nase, und ob hier nicht bei vielen Menschen eine der Ursachen für »zivilisationsbedingte« Erkrankungen zumindest mit zu suchen ist, kann man natürlich nicht beweisen.

Nach meinem Umzug ins Rheinland habe ich hier das schöne, ungechlorte Wasser zu schätzen gelernt, und mein tägliches Trinkwasser kam meist aus der Leitung und nicht aus einer Flasche. Seit dem Jahr 2017 ist dieses Vergnügen allerdings vorbei, denn mir fiel irgendwann auf, dass auch an meinem Troisdorfer Wohnort das Wasser nach Chlor stank. Mein Anruf bei den Stadtwerken ergab, dass wegen einer Verkeimung als Vorsichtsmaßnahme für einige Wochen das Trinkwasser gechlort würde. Als Endzeitpunkt wurde der Herbst angegeben. Als dieser vorüber war und das Wasser unverändert chloriert wurde, wurde ich auf das Jahresende vertröstet. Nun sollte der Grund eine vom Gesundheitsamt vorgeschriebene Vorsichtsmaßnahme wegen Arbeiten am städtischen Leitungsnetz sein. Aber auch der Jahreswechsel verlief ohne eine Veränderung. Auf die erneute Nachfrage bekam ich zur Antwort, dass die Chlorierung, die angeblich nur noch mit der halben Konzentrationsmenge durchgeführt würde, nun noch bis zum Frühjahr beibehalten würde. Bei jedem meiner Telefonate wurde mir aber versichert, dass dies »völlig unbedenklich für meine Gesundheit« wäre.

Selbst wenn unser Trinkwasser nicht mit der gleichen Konzentration wie in einem Schwimmbad gechlort wird, werden eben doch ausreichende Mengen benutzt, eben um die Keime im Leitungswasser abzutöten. Und dies hat selbstverständlich auch Folgen für unsere Gesundheit – auch wenn die Mitarbeiter in den Wasserwerken oder vom Gesundheitsamt das Gegenteil behaupten.

Mit Chlor werden Keime abgetötet. Auch in unserer Darmflora (Mikrobiota) befinden sich Keime – teils schädliche, in einer gesunden Mikrobiota aber wesentlich mehr nützliche Keime. Diese haben vielfältige Aufgaben wie vor allem die Stärkung des Immunsystems. Die Darmkeime unterstützen uns aber auch bei der Verarbeitung eigentlich unverdaulicher Stoffe oder produzieren bestimmte Vitamine, die unser eigener Körper nicht herstellen kann. Ohne unsere Mikrobiota hätten wir keine normale Verdauung, ja wir wären überhaupt nicht lebensfähig!

Wenn wir nun mit dem Trinkwasser größere Mengen Chlor aufnehmen, wirkt sich dies auch auf die Zusammensetzung unserer Darmflora aus. Natürlich werden nicht gleich sämtliche Keime abgetötet – immerhin beherbergt unsere Mikrobiota 10 – 100 mal mehr einzelne Bakterien, als wir Körperzellen haben! Es findet aber doch eine dauerhafte Belastung der Keime durch das Trinken chlorhaltigen Wassers statt. Und leider sind die »guten« Keime wesentlich empfindlicher als die »schädlichen«, so dass sich eine gesunde Balance der Darmkeime immer mehr zuungunsten der nützlichen Keime verschiebt (ein Effekt, den wir übrigens auch bei einer Behandlung mit Antibiotika beobachten können). Das ist ein schleichender Vorgang, wir werden nicht von heute auf morgen krank. Aber im Laufe der Zeit verschlechtert sich die Qualität der für unsere Gesundheit so wichtigen Mikrobiota immer mehr.

Leider können wir nicht verhindern, dass die Wasserwerke unser Trinkwasser chlorieren – außer vielleicht, dort und ggf. auch bei dem zuständigen Gesundheitsamt unsere Bedürfnisse immer wieder durch Telefonanrufe vorzubringen!

Somit müssen wir schauen, wie wir die Aufnahme an darmfloraschädlichem Chlor für uns selbst minimieren können. Es ist grundsätzlich zu begrüßen, statt Mineralwasser Leitungswasser zu trinken. Vorausgesetzt eben, dass es wirklich rein und eben nicht chloriert ist.

Mineralwasser wird meist mit großen Rohstoffkapazitäten produziert und nicht selten von weither mit Lastwagen durch die ganze Republik transportiert. Auch wird es, z.B. wegen des Gewichts, lieber in Plastik- als in Glasflaschen gekauft und nach Hause getragen. Unabhängig davon, ob es sich um Pfand- oder Einwegflaschen handelt, geben diese Kunststoffe Weichmacher an das in der Flasche enthaltene Wasser ab und die wir mittrinken. Diese Weichmacher sind leider keineswegs – und vor allem nicht auf Dauer – förderlich für unsere Gesundheit. Wenn Sie also Flaschenwasser trinken, dann bitte wenigstens aus Glasflaschen!

Besser ist es, das (unchlorierte) Leitungswasser zu trinken, das man ggf. mit einem Sprudelgerät lecker aufbereiten kann.

Was kann man nun aber tun, wenn Ihnen Ihr Wasserwerk mitteilt, dass das Trinkwasser an Ihrem Heimatort chloriert wird? Da man beim Trinkwasser im Gegensatz zum Energielieferanten den Zulieferer leider nicht wechseln kann, ist es empfehlenswert, einen der im Handel üblichen Trinkwasserfilter zu verwenden, die meist mit Aktivkohlepatronen, die in einen zugehörigen Krug eingesetzt werden, nicht nur das Chlor, sondern gleichzeitig auch Schwermetalle und andere Schadstoffe binden und so aus dem Wasser filtern. Diese Patronen sind zwar auch nicht ganz billig, denn sie müssen regelmäßig erneuert werden, aber im Vergleich zu Mineralwasserflaschen kostet hier der Liter sehr viel weniger.

Bitte entscheiden Sie sich für einen Filtertyp, bei dem »nur« unerwünschte Stoffe herausgefiltert werden. Es gibt auch Filtersysteme, bei denen das Trinkwasser beim Filtervorgang z.B. mit Magnesium angereichert wird. Solche Zusätze – gleich welcher Art – haben meiner Meinung nach im Trinkwasser nichts zu suchen. Mit gutem Grunde hatte man sich in Deutschland z.B. gegen eine Fluoridierung des Trinkwassers entschieden – eben weil die Zufuhr eines u.U. nützlichen Stoffes über das Trinkwasser, von dem wir heute mehr und morgen weniger zu uns nehmen, nicht sicher dosiert werden kann. Eine gesunde Ernährung führt uns alle Stoffe zu, die wir benötigen. Sie müssen nicht künstlich über das Trinkwasser substituiert werden.

Mit dem Filtern des Trinkwassers mit empfehlenswerten Filtersystemen erreichen Sie zwar keine hundertprozentige Entfernung, aber zumindest eine deutliche Reduzierung des Chlors und anderer Schadstoffe, so dass Sie dieses Wasser mit weniger Bedenken trinken können. Ihre Darmflora und damit Ihre Gesundheit werden es Ihnen danken.





nach oben