Letzte Aktualisierung: 11.1.2018

Genießen?

Ja, auch bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten!
Oftmals betrachten Menschen, die an Unverträglichkeiten leiden, viele oder die meisten Nahrungsmittel als Feind, und jedes Essen wird zu einem Kampf – einem Kampf, den man nie gewinnen kann. Unter solchen negativen Bedingungen kann man natürlich kaum eine Mahlzeit mehr genießen – alles, was man isst, wird als wahrscheinlicher Beschwerdeverursacher angesehen.

Der Betroffene beäugt die Zutaten, die er bei der Zubereitung seiner Mahlzeit angstvoll im Hinblick auf mögliche, ja sogar wahrscheinliche Beschwerden ausgewählt hat, bereits mit einem unguten Gefühl: »Sicherlich werde ich bald wieder Probleme wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfälle bekommen.« Und tatsächlich folgen dann nach dem Gesetz der »sich selbsterfüllenden Prophezeiung« (self fulfilling prophecy) die gefürchteten Symptome meist auf dem Fuße. Erst recht geschieht dies beim Auswärtsessen, bei dem man noch weniger Einfluss auf die verwendeten Zutaten hat, als beim Selberkochen. Selbst, wenn man mit dem Koch geeignete Gerichte im Hinblick auf die eigenen Bedürfnisse ausgewählt hat, bleibt oftmals ein Misstrauen erhalten, ob die »verbotenen« Zutaten tatsächlich weggelassen wurden – und das nächste Bauchgrummeln, das ja Menschen ohne Unverträglichkeiten durchaus auch nach einem leckeren Essen haben, wird sofort als Vorbote schlimmerer Beschwerden interpretiert.

Einmal in diesem Teufelskreis gefangen, ist es kaum noch möglich, eine Mahlzeit genießen zu können – auch wenn diese die unverträglichen Bestandteile gar nicht enthält. Aber trotz Nahrungsmittel-Unverträglichkeit(en) oder eben gerade mit Nahrungsmittel-Unverträglichkeit(en) kann und sollte man seine Mahlzeiten genießen! Sich freuen, Duft und Geschmack registrieren, genüsslich kauen, das Ambiente bewusst wahrnehmen ...

Diagnose eventueller Unverträglichkeiten

Es ist richtig: Wenn man Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten hat, ist es nicht ratsam, Bestandteile zu verzehren, die man nicht verträgt. Unangenehme Symptome wären dann tatsächlich vorprogrammiert. Wenn man hingegen Zutaten auswählt, die verträglich sind, sind Probleme eher unwahrscheinlich. Sollte man allerdings tatsächlich das Gefühl haben, überhaupt keine Nahrungsmittel ohne Probleme zu vertragen, ist der erste Schritt, die Beschwerdeverursacher herauszufinden. Dies geschieht am besten mit einem Verzehr- und Symptomtagebuch, in dem alle verzehrten Nahrungsmittel und Getränke aufgeschrieben und zusätzlich die darauf folgenden Symptome protokolliert werden. Bei der Auswertung lässt man sich sinnvollerweise von einer auf diese Problematik spezialisierte Fachkraft begleiten und helfen, die ggf. zur Untermauerung der Befunde geeigneten Tests empfiehlt.


 
Beratung

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Zusammenhang zwischen psychischer Verfassung und Darmgesundheit

Nach der Diagnose die Ohren hängen zu lassen – »oh je, so viel darf ich nun nicht mehr essen« – ist ein zwar verständlicher, aber nichtsdetotrotz falscher Weg, der unweigerlich zu Traurigkeit, im schlimmsten Falle sogar zu Depressionen, führen kann. Das Gegenteil führt zum Ziel: eine solche Diagnose ist der Beginn einer besseren, beschwerdefreien Zeit, denn nun wissen Sie, was Ihnen nicht bekommt, und Sie können es weglassen.

Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen der seelischen Verfassung und der Darmgesundheit bzw. einer guten Verdauung: Zum einen kommunizieren das sogenannte Bauchhirn – also das empfindliche Nervengeflecht rund um den Darm – und das Gehirn im Kopf ständig miteinander. Gibt es Probleme im Darm, meldet das Bauchhirn dieses sofort an den Kopf, und Sie fühlen sich schlecht. Anders herum meldet auch der Kopf an den Bauch, wenn Sie sich nicht wohlfühlen oder niedergeschlagen sind – und sofort fährt auch der Darm seine gesunden Funktionen herunter.

Zum anderen reagiert nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen auch unsere Darmflora (Mikrobiom) mit den Billionen von Bakterien auf seelische Veränderungen: Fühlen Sie sich gut, geht es auch den Darmbakterien gut, und es stellt sich eine gesündere Balance ein. Niedergeschlagenheit oder sogar Depressionen wirken sich im Gegenzug negativ auf die Zusammensetzung des Mirkrobioms aus. Eine gesunde Darmflora sendet Impulse an das Kopfhirn, die bewirken, dass Sie sich gut fühlen. Eine schlechtere Beschaffenheit der Darmflora bewirkt negativere Gefühle (Darm-Hirn-Achse/Gut-Brain-Axis).
 

Auswahl der verträglichen Nahrungsmittel

Sobald Sie als Betroffene/r genau wissen, welche Lebensmittel oder Nahrungsbestandteile unverträglich sind und diese künftig meiden, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass Mahlzeiten, die diese Zutaten nicht enthalten, keine Probleme mehr nach sich ziehen. Es spricht also nichts gegen, sondern alles für ein ausgiebiges Genießen von Mahlzeiten.

Der nächste Schritt ist das Zusammenstellen einer Liste, in der Sie alle unbekömmlichen Nahrungsmittel auf der einen Seite aufführen. Auf der anderen Seite, die meistens sehr viel länger wird, schreiben Sie möglichst viele Lebensmittel auf, die bekömmlich sind. Allein schon diese Aufstellung zeigt deutlich, dass Sie doch sehr viel mehr Dinge essen dürfen als Dinge, die »verboten« sind. Das macht Mut!

Wenn Ihnen hier nicht genügend Lebensmittel einfallen, empfehle ich Ihnen die »DorisPaas.de – Lebensmittel-Datenbank«, in der Sie Filter für Ihre individuelle(n) Unverträglichkeit(en) setzen können und sich so alle verträglichen Lebensmittel anzeigen lassen können. Sie werden staunen, wie viele dies sind!







Anschließend suchen Sie sich aus der Liste der verträglichen Lebensmittel diejenigen heraus, die Sie besonders gerne mögen und bereiten sich aus diesen Zutaten eine leckere Mahlzeit zu. Ggf. finden Sie auch in Ratgebern für die entsprechenden Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten geeignete Rezepte, können aber auch Vorschläge aus ganz normalen Rezeptbüchern aufgreifen, bei denen Sie eventuell nicht verträgliche Bestandteile durch bekömmliche ersetzen.

Die meisten Menschen, die schon länger mit ihren Unverträglichkeiten leben, werden Ihnen bestätigen können, dass sie nicht nur sehr einfallsreich beim Ersetzen geworden sind, sondern dass sie ihre Mahlzeiten jetzt sehr viel bewusster zusammenstellen und genießen.

Ja, tatsächlich: man kann und soll auch mit Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten seine Mahlzeiten genießen. Oder soll es wirklich mit dem Zeitpunkt der Diagnose nicht mehr erlaubt sein, sich sein Essen so richtig schmecken zu lassen? Wenn Sie die unverträglichen Zutaten weglassen, sind doch aller Voraussicht nach keine Beschwerden mehr zu befürchten! Jetzt das Essen wieder so richtig mit Genuss zu verspeisen, hebt die Laune und macht ein rundum gutes Gefühl.
 

Auswärts essen

Was aber ist, wenn Sie Ihr Essen nicht selbst zubereiten, mit anderen zusammen in ein Restaurant essen gehen oder eingeladen sind und Ihre Unverträglichkeit nicht mit Nahrungsergänzungsmitteln (z.B. den entsprechenden Enzymen) kompensieren zu können? Wenn Sie also meinen, es nicht in der Hand zu haben, welche Zutaten in den Gerichten verarbeitet wurden? In solchen Fällen müssen Sie versuchen, so viel Einfluss wie möglich auf die Vermeidung unverträglicher Zutaten zu nehmen.

Im Restaurant ist hier immer das Gespräch mit dem Koch erforderlich. Eventuell können Sie mit den Freunden (ggf. sogar bei Geschäftsessen) im Vorhinein vereinbaren, welches Lokal angesteuert werden soll. Ein Anruf dort am Vortag kann klären, inwieweit der Küchenchef über Ihre Unverträglichkeit und die damit zusammenhängenden Erfordernisse informiert ist. Oftmals finden Sie auch im Internet die Speisekarte und können anhand derer mit dem Personal klären, welche Gerichte für Sie geeignet sind oder welche Zutaten man weglassen oder ersetzen kann. Nach meinen Erfahrungen sind die Verantwortlichen in den Restaurants grundsätzlich sehr bemüht und finden gemeinsam mit Ihnen immer verträgliche Varianten, die sie meist besonders liebevoll und lecker anrichten. Und so ungewöhnlich, wie Sie vielleicht meinen, sind doch Extrawünsche gar nicht. In einer Runde von 3 – 4 Tischgästen ist doch eigentlich immer zumindest einer, der eine Abwandlung des auf der Speisekarte aufgeführten Menüs erbittet: »Mein Gericht bitte nicht mit Pommes Frites sondern mit Salzkartoffeln …«

Bei Einladungen zu Freunden ist es auf jeden Fall unerlässlich, mit einem ausreichenden Zeitvorlauf Bescheid zu sagen, welche Lebensmittel oder Zutaten problematisch sind. Wenn der Gastgeber bereits weiß, welche Gerichte er anbieten möchte, kann man gemeinsam überlegen, welche Möglichkeiten bestehen, diese Gerichte so zuzubereiten, dass unbekömmliche Zutaten entweder durch bekömmliche ersetzt werden oder die unverträglichen zum späteren Hinzugeben neben dem Gericht gereicht werden (z.B. Salatsoße in einem Kännchen und alternativ Essig und Öl neben den Salat stellen). Bei manchen Einladungen können Sie ja auch selber etwas beisteuern – einen leckeren Salat oder einen selbstgebackenen Kuchen. Den können Sie auf jeden Fall besonders lecker und eben für sich verträglich zubereiten. So werden zwar wahrscheinlich nicht alle Gerichte für Sie essbar sein, aber wenigstens das eine oder andere, so dass auch Sie an der netten Einladung Ihren Spaß haben werden.

Ohne diese Vorbereitung wäre es nicht schön für Sie, wenn Sie dann missgelaunt an einem trockenen Brot oder Radieschen kauen würden, weil Sie zum einen nichts anderes essen können und zum anderen zuschauen müssten, was die anderen alles Leckeres zur Auswahl haben. Und es wäre auch unfair gegenüber dem Gastgeber, der sich viel Mühe bereitet hat und nun sehen muss, dass es Ihnen damit gar nicht gut geht.

Eine gute Organisation im Vorfeld ist bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten also nicht nur beim Auswärtsessen erforderlich. Auch beim selber Zubereiten von Mahlzeiten trägt eine gute Vorbereitung mit der sorgfältigen Auswahl der verträglichen – und vor allem leckeren – Lebensmittel dazu bei, dass Sie Ihr Essen so richtig genießen können!
 

Bewusste »Sünden«

Und wenn Sie tatsächlich einmal ein scheinbar unbezwingbares Bedürfnis überkommt, ein »verbotenes« Nahrungsmittel essen zu wollen, dürfen Sie in den meisten Fällen durchaus auch einmal »sündigen«. Es muss Ihnen dann klar sein, dass auf diese Sünde dann Beschwerden folgen – aber wägen Sie ab, ob sich das »Preis-Leistungs-Verhältnis« – sprich das Verhältnis von Genuss und anschließenden Beschwerden – lohnt. Wenn Sie meinen, dass Sie die Bauchschmerzen, die vielleicht einen Tag lang anhalten, es wert sind, eine Mahlzeit mit einem unverträglichen Lebensmittel zu verzehren, dann essen Sie dieses Lebensmittel.

Vergessen Sie dann aber nicht, diese Mahlzeit dann auch so richtig zu genießen – damit sich diese bewusste Sünde dann auch wenigstens gelohnt hat!

Danach ist Zeit, wieder konsequent zu sein. Aber die Erinnerung an diesen Genuss dürfen Sie dann noch lange auskosten – zu einem erneuten Sündigen werden Sie wahrscheinlich so bald gar nicht wieder das Bedürfnis verspüren.

Und wenn doch? Dann schauen Sie, dass Sie es nicht allzu oft tun und überprüfen gegebenenfalls, ob Sie nicht auch aus verträglichen Zutaten genussvollere Mahlzeiten zaubern können. Wie wäre es, ein Gericht auch optisch aufzuwerten – es beispielsweise mit essbaren Blüten zu verzieren oder im guten Geschirr von der Oma anzurichten – es gibt so viele Möglichkeiten, den Genuss zu erhöhen.
 

Genussmittel

Ein anderes Thema sind (nicht nur) bei Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten die sogenannten »Genussmittel« wie Kaffee, Tee, Schokolade, Zigaretten und Alkohol. In einem gesonderten Beitrag können Sie die spezifischen Wirkungen dieser Stoffe auf das Verdauungssystem lesen und entscheiden, ob und ggf. in welchen Mengen Sie Genussmittel in Ihr Leben integrieren möchten und mit welchen Konsequenzen Sie dadurch zu rechnen haben.
 

Noch eine Bemerkung zum Schluss ...

Die wichtigste Voraussetzung, ob Ihnen etwas schmeckt und ob sie es genießen können, spielt sich in Ihrem Kopf ab: Nicht das »Verbotene« beweinen, sondern sich auf das »Erlaubte« freuen. Neben den auch vorher schon geliebten und nach wie vor erlaubten Lebensmitteln gibt es wahrscheinlich viele, die bisher (noch) nicht zu Ihrem Favoriten gezählt haben. Diese können bei näherer Betrachtung und abgeänderter Zubereitungsweise auch richtig lecker sein. Und zusätzlich gibt es mit Sicherheit zahlreiche Lebensmittel, die Sie (bisher) noch gar nicht kannten. Seien Sie neugierig und probieren Sie Unbekanntes aus. Viele Zutaten werden Sie sicherlich bald lieben und genießen lernen, wenn Sie diesen eine Chance geben.

Ich wünsche Ihnen einen guten Appetit!



Lesen Sie hierzu auch folgenden Beitrag auf dieser Website:
• Genussmittel bei Darmempfindlichkeit






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