Letzte Aktualisierung: 11.1.2018

Reizdarm-Syndrom

Behandlung

Ursache: Dünndarmfehlbesiedelung

Die Ursachen des Reizdarm-Syndroms sind noch nicht gänzlich geklärt. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen wird jedoch vermutet, dass ein sehr hoher Prozentsatz der Betroffenen an einer bakteriellen Fehlbesiedelung des Dünndarms erkrankt ist.

Deshalb sind bei der Diagnose und Behandlung die ersten Maßnahmen die Abklärung, ob eine Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO) und ggf. auch Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten vorliegen (lesen Sie hierzu auch den Beitrag »Dünndarmfehlbesiedelung und ihre Behandlung«.

Manchmal verschwinden aber mit der Behandlung der bakteriellen Fehlbesiedelung und der Beachtung der Unverträglichkeiten nicht alle Symptome. In diesen Fällen muss sich die Behandlung dann um die Linderung der Symptome ergänzt werden. Hierbei unterscheiden sich die Behandlungsformen je nach Typ-Gruppe des Reizdarm-Syndroms: Durchfall-Typ, Verstopfungs-, Wechsel- und Schmerz-Typ müssen selbstverständlich mit unterschiedlichen Therapien und ggf. Medikamenten behandelt werden (lesen Sie hierzu auch den Beitrag »Diagnose des Reizdarm-Syndroms«.

Die Mitarbeit der Patienten ist bei jeder Therapieform unerlässlich, denn das Reizdarm-Syndrom wird sehr stark durch eine aktive Mithilfe und auch eine positive Einstellung beeinflusst. Wenn alternative Behandlungsmethoden bevorzugt werden, kann nach abgeschlossener Diagnose neben einem Arzt auch ein Heilpraktiker die Behandlung begleiten. Der Patient ist hier aufgrund des ganzheitlichen Behandlungsansatzes in den meisten Fällen in guten Händen, wenn zuvor von schulmedizinischer Seite andere Erkrankungen ausgeschlossen wurden.

Wegen der langen Behandlungsdauer ist ein ungestörtes Vertrauensverhältnis zum Arzt bzw. Heilpraktiker notwendig. Sollte das Vertrauensverhältnis gestört sein, ist es günstig, frühzeitig den Behandler zu wechseln, um einen dauerhaften Erfolg zu garantieren, denn die Zusammenarbeit wird über einen sehr langen Zeitraum erforderlich sein.
 

Behandlungsunterstützung mit Medikamenten

Vom Arzt können bei entsprechend gravierenden Beschwerden vorübergehend je nach der vorherrschenden Art der Symptome krampflösende oder schmerzstillende Mittel verschrieben werden. Bei Bedarf kann ein Facharzt für Psychiatrie oder psychosomatische Medizin auch Medikamente gegen Depressionen (Antidepressiva) verordnen.

Medikamente, die beim Reizdarm-Syndrom eingesetzt werden, behandeln allerdings immer nur Symptome, niemals die Ursache. Da das Ziel jedoch in der Behebung der Erkrankung besteht, muss man mit dem Behandler gemeinsam über einen langen Zeitraum Ursachen herausfinden und mit verschiedenen Methoden die Lebensweise ändern. Nur so ist eine dauerhafte Heilung möglich.
 

Stress-Abbau

Fast immer sind Menschen mit Reizdarm-Syndrom Stress-Situationen ausgesetzt oder können damit nicht richtig umgehen. Deshalb sollten Techniken entwickelt werden, Stress-Situationen zu erkennen, diese ggf. zu verhindern oder zumindest abzuschwächen oder im Anschluss zu kompensieren. Nach einer genauen Analyse der Lebenssituation sollten besonders Stress auslösende Situationen gemieden bzw. gelernt werden, besser damit umzugehen.
 

Entspannungsübungen

Sehr hilfreich zum besseren Umgang mit Stress sind Entspannungsübungen. Hier bieten sich besonders das Autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson an, aber auch Yoga oder Chi Gong sind gute Methoden zum Stress-Abbau. Anleitung von professioneller Seite in Form von Kursen wird beispielsweise in der Volkshochschule angeboten, aber auch der Hausarzt kann über Möglichkeiten Auskunft erteilen. Viele Krankenkassen gewähren Zuschüsse für diese Kurse, eine Anfrage lohnt sich auf jeden Fall.
 

Sport

Zur Bekämpfung und Kompensation von Beschewerden beim Reizdarm-Syndroms ist es auch immer sehr vorteilhaft, sich sprotlich zu betätigen. Hierbei steht nicht nur die gesundheitsfördernde Bewegung im Vordergrund, sondern auch die stressabbauende Wirkung und – nicht zuletzt – der Spaß, denn es ist hier kein Leistungssport gemeint, der das genaue Gegenteil bewirken würde, sondern die vergnügliche sportliche Bewegung mit einer Sportart, die speziell dem Patienten »auf den Leib geschneidert« wurde, die sich jeder Patient also ganz individuell aussucht. Neben Schwimmen, Radfahren, Wandern, Walken oder einfach nur regelmäßigen Spaziergängen an der frischen Luft gibt es unzählige weitere Sportarten, die Spaß und Erleichtung bringen können.
 

Ernährungs- und Stresstagebuch

Auch wenn das Auftreten von Symptomen des Reizdarm-Syndroms keinen direkten Zusammenhang mit Nahrungsmitteln hat, hilft doch das Führen eines Ernährungstagebuches beim Aufspüren eventuell gleichzeitig vorliegender Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten. Einen Vordruck können Sie im Downloadbereich kostenlos herunterladen.
 

Gesunde Ernährung

Zur besseren Beherrschung eines Reizdarm-Syndorms gehört immer auch eine möglichst gesunde Ernährung. Ungesunde Nahrungsmittel oder gar Fastfood tragen auch bei Menschen ohne RDS häufig zu Unwohlsein bei. Somit kann eine vernünftige, möglichst vollwertige Ernährungsform gerade bei Reizdarm-Patienten sehr zu einer Verbesserung beitragen. Dabei ist es nicht erforderlich, fanatisch jeden Genuss von eigentlich ungesunden Nahrungsmitteln zu meiden »wie der Teufel das Weihwasser« – aber im Großen und Ganzen sollten gesunde Lebensmitttel bevorzugt werden. Eine kleine »Sünde« zwischendurch kann jedoch auch ganz entspannend wirken – solange sie eine bewusst genossene Ausnahme bleibt.
 

FODMAP-Diät

Bei einem Reizdarm-Syndrom muss selbstverständlich immer auf individuelle Unverträglichkeiten geachtet und die entsprechenden Lebensmittel gemieden werden. Trotzdem weiß man oft gar nicht, welche Lebensmittel bekömmlich oder unbekömmlich sind – je nach Tagesform können alle Lebensmittel Probleme machen. Auch wenn die einzelnen unbekömmlichen Stoffe gemieden werden, gehen in diesen Fällen Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfälle und/oder Verstopfung und viele andere nicht auf ein akzeptables Maß zurück.

Hilfreich kann dann neben der erforderlichen Reduzierung der unverträglichen Stoffe zusätzlich die Einhaltung einer Diät mit einem geringeren Anteil an Kohlenhydraten sinnvoll sein. Diese Ernährung ist leichter verdaulich, und schädlichen Darmbakterien wird mit dem geringeren Ballaststoffanteil die Lebensgrundlage entzogen.

Eine Diät, die diese Grundsätze berücksichtigt, ist die sogenannte FODMAP-Diät. Die Buchstaben stehen für die englischen Begriffe »Fermentable Oligo-, Di- Monosaccharides And Polyols« (vergärbare Mehrfach-, Zweifach- und Einfachzucker und Zuckeralkohole).

Die FODMAP-Diät deckt die meisten möglichen Verursacher von Unverträglichen ab. Die Nahrungsmittel werden darauf überprüft und bewertet, wie hoch der Anteil dieser Inhaltsstoffe in der Summe ist. Danach werden sie klassifiziert und in die Kategorie »hoher FODMAP-Gehalt« oder »niedriger FODMAP-Gehalt« einsortiert. Genauere Listen oder Datenbanken weisen zusätzlich auch einen mittleren FODMAP-Gehalt aus.
 

Angepasste Schmerzbewertung

Reizdarm-Patienten haben ein verstärktes Schmerzempfinden. Entgegen sonstigen Empfehlungen, bei denen dringend geraten wird, die Signale des Körpers grundsätzlich ernst zu nehmen, sollte man beim Reizdarm-Syndrom jedoch verstehen, dass die Schmerz-Reize, die wahrgenommen werden, meist keinen adäquaten Ursachen zuzuordnen sind. Man muss verlernen, den Schmerz als solchen wahrzunehmen, je nach Stärke anfangs eventuell mit medikamentöser Unterstützung. Die Signale als Unwohlsein müssen hierbei zunächst noch hingenommen und akzeptiert werden. Nach einem unter Umständen länger andauernden Lernprozess werden diese Reize später dann nicht mehr bewusst wahrgenommen, wie es bei Menschen ohne Reizdarm-Syndrom üblich ist. Nicht jede Darmbewegung bedeutet am Schluss mehr Schmerz, sondern wird später - wie bei gesunden Menschen – vielleicht nur noch als kleines Bauchgrummeln registriert.

Der Weg bis dahin ist sicherlich lang – jedoch lohnt sich die Mühe, denn zum Schluss kann man auch mit Reizdarm-Syndrom weitgehend beschwerdefrei leben.


 
Beratung

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