Letzte Aktualisierung: 14.4.2018

Reisedurchfall

(Reisediarrhoe)
Unabhängig von Durchfällen (Diarrhoen), die durch Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten verursacht werden, können teils heftige Durchfälle auftreten, deren Verursacher meist Bakterien oder Viren sind, seltener auch Parasiten wie z.B. Amöben oder Lamblien (lesen Sie hierzu bitte auch den Beitrag »Parasiten- und Pilzbefall des Darms«).

Zur Klarstellung: Dieser Beitrag behandelt nicht die durch eine Intoleranz verursachten Durchfälle, sondern diejenigen, die jeden Menschen befallen können.

Wenn Sie bei Vorliegen einer Nahrungsmittel-Unverträglichkeit etwas gegessen haben, was Ihnen normalerweise nicht bekommt, so ist die wichtigste Maßnahme, die daraus resultierenden Verdauungsbeschwerden auszuhalten, bis das unverträgliche Nahrungsmittel ausgeschieden ist und sich Ihre Verdauung wieder normalisiert. In Zukunft müssen Sie den Verzehr der nicht bekömmlichen Lebensmittelbestandteile meiden bzw. der Ausprägung Ihrer Intoleranz angemessen reduzieren.

Dieser Beitrag behandelt Durchfälle, die entweder zu Hause, vor allem aber häufig auch auf Reisen als unliebsame Begleiterscheinung auftreten – wer hat nicht schon einmal »Montezumas Rache« kennenlernen müssen?

Diese Reisedurchfälle kommen meist genauso schnell, wie sie auch vergehen. D.h. sie sind selbst limitierend und vergehen – so unangenehm sie sind – in den meisten Fällen von selber. Eine Behandlung ist meist nicht nötig. Trotzdem müssen natürlich bestimmte Regeln eingehalten werden, um keine gesundheitlichen Schäden davon zu tragen. Dies soll selbstverständlich keinesfalls bedeuten, dass Sie in schweren Fällen – insbesondere wenn Kinder betroffen sind, nicht sofort ärztliche Betreuung in Anspruch nehmen sollen. Leichtere Fälle jedoch sind mit einfachen Selbsthilfemaßnahmen in der Regel gut zu handhaben.

Risikogebiete

Zuerst einmal können Sie sehr viel dazu beitragen, um erst gar nicht an einer Reisediarrhoe zu erkranken, denn Bakterien, Viren oder Parasiten befinden sich in kontaminierten Nahrungsmitteln, die nicht mit der gebotenen Sorgfalt und Hygiene zubereitet wurden.

Natürlich ist das Risiko, sich mit Krankheitserregern über Nahrungsmittel zu infizieren, nicht in allen Ländern gleich groß. Bei uns in Nord- und Zentraleuropa, in den USA, Kanada, Japan und Australien herrschen im Allgemeinen hohe hygienische Standards, so dass nur selten eine Gefahr besteht, kontaminierte Nahrungsmittel vorgesetzt zu bekommen. Ein mittleres Risiko besteht hingegen in Süd- und Osteuropa, Russland, China, Israel, auf den Karibischen Inseln und in Südafrika. Ein hohes Infektionsrisiko besteht in allen Ländern des Mittleren Ostens, in Süd- und Südostasien, Zentralamerika und den meisten Ländern Afrikas.
 
Vorbeugemaßnahmen

Da die Krankheitserreger in der Regel über Nahrung und Getränke, aber auch über die Hände oder beim Baden in verschmutztem Wasser aufgenommen werden, ist die wichtigste Vorbeugemaßnahme eine peinich saubere Hygiene in den entsprechenden Situationen. Lieber einmal übervorsichtig beim Essen gewessen sein, lieber einmal zu viel die Hände gewaschen oder auf ein Bad verzichtet, als später kostbare Urlaubstage durch eine Durchfallerkrankung zu verderben.

Auch zum Zähneputzen sollten Sie nur Wasser aus Flaschen benutzen – selbst das »Trinkwasser« aus der Wasserleitung kann mit Keimen kontaminiert sein.

In den oben aufgeführten Ländern mit einem mittleren Risiko, aber insbesondere in den Hochrisikogebieten lautet die Hauptregel zum Schutz vor Reisedurchfällen: Schäle es, koche es oder vergiss es (peel it, cook it or forget it).

Das heißt: Wenn Sie ein Lebensmittel roh essen, müssen Sie es schälen können (z.B. Bananen oder Orangen). Alles, was Sie nicht schälen können (z.B. Salat), ist entweder ungewaschen oder mit eventuell kontaminiertem Wasser gewaschen und deshalb potenziell verseucht.

Alles, was zubereitet ist, muss richtig (!) gekocht worden sein. Hitze tötet Krankheitserreger und ist der beste Schutz vor Darminfektionen. Aber nur wirklich frisch gekochte Nahrungsmittel sind sicher, denn Speisen, die nach dem Kochen noch längere Zeit abgekühlt herumstehen, können ebenfalls kontaminiert sein.

Für Getränke gilt dasselbe: Nur richtig heiße Aufgussgetränke (Tee, Kaffee) sind sicher und solche, die in geschlossenen Originalflaschen (Mineralwasser, Cola, Limonade) serviert werden, können Sie trinken. Bitte bestehen Sie immer darauf, die Flaschen selbst zu öffnen, denn nur so können Sie sehen, dass die Flaschen tatsächlich originalverschlossen waren und nicht mit anderen Flüssigkeiten aufgefüllt wurden.

Auch Milch- und/oder Fruchteis (Speiseeis) ist ebenso zu meiden wie die Eiswürfel in kalten Getränken – so Leid es einem auch tun mag.

Wenn nur der geringste Zweifel an der Sauberkeit eines Nahrungsmittels besteht, sollten Sie in allen Risikoländern vom Verzehr Abstand nehmen.
 
Vorbeugung mit Probiotika

Mit der Einnahme von Probiotika können Sie dem Ausbruch einer Reisediarrhoe vorbeugen: Wie Sie sicherlich wissen, ist der Darm – insbesondere der Dickdarm – mit einer großen Zahl von Darmbakterien besiedelt. Es gibt hier viele verschiedene, nützliche und schädliche (krankmachende) Bakterienarten, die sich den Platz auf der Darmschleimhaut teilen müssen. Überwiegen die nützlichen Keime, haben die schädlichen zwangsläufig weniger Platz. Somit ist es vorteilhaft, die Darmflora, also die Gesamtheit der Darmbakterien, mit der Einnahme von nützlichen Keimarten (Probiotika) anzureichern, damit die schädlichen Bakterienarten kaum noch Platz vorfinden, um sich ansiedeln und sich vermehren zu können. Und auch schädlichen Neuankömmlingen steht dann weniger Platz zur Verfügung, und sie können sich weder ansiedeln noch vermehren und eine Krankheit auslösen.

Somit ist es günstig, etwa eine Woche vor Beginn einer Reise in ein Land mit mittlerem oder hohem Erkrankungsrisiko vorbeugend mit der Einnahme geeigneter Präparate zu beginnen und diese Prophylaxe über etwa drei Wochen fortzuführen. Bei länger als 2 – 3 Wochen dauernden Reisen unterbrechen Sie danach die Einnahme und führen sie erst im Bedarfsfalle wieder fort, d.h. wenn Sie trotz der Vorbeugung an Durchfall erkranken sollten.

Als geeignete Mittel bieten sich hier 2 verschiedene Präparate an: eines mit Lactobacillen, die die oben beschriebene Verdrängungswirkung haben. Hier möchte ich Ihnen ein hochdosiertes Monopräparat mit einem besonders robusten Stamm empfehlen, der nicht nur die Magensäureschranke schadlos überwinden kann und somit in ausreichender Menge in den Darm gelangt: Das Probiotikum der Firma Laktasekampagne (www.laktasekampagne.de). Dieses Präparat übersteht auch Transporte und die Aufbewahrung unter ungünstigeren Bedingungen ohne Kühlung und sogar bei höheren Temperaturen.

Weiterhin rate ich zur gleichzeitigen Einnahme eines bestimmten tamms des Bakteriums Escherichia coli (E. coli Nissle), das nicht nur die oben beschriebene Verdrängungswirkung hat, sondern zusätzlich auch noch entzündungshemmend wirkt. Deshalb ist es ggf. auch bei einer bereits ausgebrochenen Durchfallerkrankung zum therapeutischen Einsatz geeignet. Hier ist das Präparat Mutaflor aus der Apotheke empfehlenswert.

Achtung: Patienten mit einem gestörten Immunsystem (HIV, Aids), chemotherapeutisch behandelte und Patienten mit einer akuten Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse) müssen vor der Einnahme von Probiotika immer den Arzt befragen!
 
Behandlung der Reisediarrhoe

Wenn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Durchfall aufgetreten ist, heißt es als erstes abzuschätzen, wie stark die Beschwerden sind. Unangenehm sind Reisedurchfälle immer, insbesondere auch dann, wenn man in einer Reisegruppe gezwungen ist, ein Programm zu absolvieren, das verhindert oder zumindest erschwert, im Bedarfsfalle rasch eine Toilette aufsuchen zu können.

Grundsätzlich ist der Durchfall die Schutzmaßnahme des Körpers, die schädlichen Stoffe so schnell und effektiv wie möglich auszuscheiden und loszuwerden. Diesen Mechanismus zu stoppen kann u.U. dazu führen, dass sich die Krankheitserreger im Körper vermehren und so den Organismus weiter schädigen können. Somit wäre das Mittel der Wahl eigentlich, den Durchfall zu fördern (z.B. mit Glaubersalz), um die Ausscheidung zu unterstützen, was den Krankheitsverlauf letztendlich abkürzen kann.

Auf Reisen hat man allerdings oft aus verständlichen Gründen meist wenig Lust, zu solch drastischen Maßnahmen zu greifen, denn das würde die wertvollen Urlaubstage belasten, bzw. auf einer Rundreise kaum möglich sein.

Somit sind Mittel, die die Darmperistaltik (Bewegung) verlangsamen (z.B. Imodium, Wirkstoff Loperamid) oder solche, die den Flüssigkeitshaushalt des Darms und somit des Durchfalls beeinflussen, seit Jahren insbesondere in der Urlaubssaison die Renner in den Apotheken. Diese Mittel sollten aber nur im allergrößten Notfall eingenommen werden, eben weil sie den Verbleib eventuell sehr schädlicher Krankheitserreger im Körper verlängern.

Auf jeden Fall sollten Sie dann – und nicht nur dann – zusätzlich ein Mittel einnehmen, das in der Lage ist, Giftstoffe aufzunehmen und auszuschwemmen. Hier bieten sich Aktivkohle oder Heilerde (z.B. Luvos Heilerde fein) an, die beide aufgrund einer sehr feinen Vermahlung und die dadurch große Oberfläche Giftstoffe aufnehmen und ausschwemmen können, ohne selbst vom Verdauungssystem aufgenommen zu werden. Eines dieser Mittel gehört auf jeden Fall in Ihre Reiseapotheke.

Weiterhin eignen sich Mittel mit Gerbstoffen (Tannin), die zusammenziehend auf die Darmschleimhaut wirken. Übrigens sind auch in langgezogenem schwarzem Tee Gerbstoffe enthalten, er eignet sich als Frühstücksgetränk zur Vorbeugung ebenso wie zur Behandlung bereits aufgetretenen Durchfalls.

Antibiotika zur Behandlung von Durchfällen sind nur in extremen Fällen sinnvoll, denn zum einen wären sie nur bei bakteriellen Ursachen wirksam – bei viralen Ursachen nutzen Antibiotika überhaupt nichts – und zum anderen zerstören sie neben den schädlichen Bakterien auch und vor allem einen großen Teil der nützlichen Darmflora, die dann ihre Schutzwirkung nicht mehr ausüben kann. Somit gehen fortschrittliche Ärzte mehr und mehr dazu über, die Reisediarrhoe mit Probiotika zu behandeln. Hier empfiehlt sich dieselbe Medikamentierung wie oben im Abschnitt »Vorbeugung mit Probiotika« beschrieben.
 
Wann zum Arzt?

Ganz wichtig bei jeder Durchfallerkrankung ist die Selbstbeobachtung. Eine der gravierendsten Nebenwirkungen des Durchfalls ist die Dehydrierung, d.h. ein so einschneidender Flüssigkeitsverlust, dass die Körperfunktionen beeinträchtigt werden. Alle Abläufe in unserem Körper funktionieren nur, wenn wir ausreichend mit Wasser versorgt sind. Wird mehr Wasser ausgeschieden als nachgefüllt (getrunken) – sei es durch eine zu geringe Trinkmenge, durch zu starkes Schwitzen oder eben aufgrund einer zu großen Ausscheidung durch Durchfall, senkt dies unseren Wasserhaushalt unter das erforderliche Minimum. Zuerst macht sich dies durch leichte geistige Verwirrung und Benommenheit bemerkbar, in ersteren Fällen können eine Ohnmacht und letztendlich sogar der Tod folgen.

Sie erkennen den Beginn einer Dehydrierung auch am Stehenbleiben von Körperfalten: Ziehen Sie am Unterarm oder Bauch eine kleine Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinder hoch und beobachten Sie, ob sich diese nach dem Loslassen sofort wieder glattzieht. Ist dies nicht der Fall, ist das ein Alarmzeichen! Wenn Sie Flüssigkeit bei sich behalten können, also nicht an Erbrechen leiden, müssen Sie sofort mehr trinken, und es ist der Zeitpunkt, an dem Sie einen Arzt hinzuziehen müssen.

Auch wenn Sie Fieber haben, ist es erforderlich, den Arzt zu rufen.

Achtung: Bei Kindern tritt die Dehydrierung sehr viel rascher auf als bei Erwachsenen. Hier ist sehr viel früher ein Arzt aufzusuchen – lieber zu früh als zu spät!
 
Essen und Trinken während einer Durchfallerkrankung

Wichtig ist aus den oben beschriebenen Gründen immer, bei Durchfallerkrankungen so viel wie möglich zu trinken. Tun sie dies in kleinen Schlucken, um einem eventuellen Brechreiz vorzubeugen. Es eignen sich hier natürlich Wasser (still, aus einer unangebrochenen Flasche). Gerne können Sie dem Wasser auch eine Prise Salz und eine Prise Traubenzucker (Reiseapotheke) hinzufügen, um einem Verlust von wichtigen Salzen (Elektrolyten) vorzubeugen. Ggf. können Sie Elektrolytlösungen trinken, wenn Sie ein geeignetes Präparat in Ihrer Reiseapotheke mitgenommen haben. Auch dünner schwarzer Tee eignet sich als Getränk, ebenso wie Kamillentee wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung. Notfalls ist auch Cola geeignet, jedoch wegen des hohen Zuckergehalts nur in Maßen. Nicht geeignet sind Fruchtsäfte, Limonaden und Milch, da sie den Darm unnötig reizen würden.

Auch wenn Sie keinen Appetit haben, sollten Sie sobald es Ihr Zustand erlaubt auch vorsichtig wieder beginnen, Nahrung zu sich zu nehmen, um die Ernährung Ihrer Darmschleimhautzellen sicherzustellen. Diese Körperzellen ernähren sich nur aus dem Speisebrei, sie haben keine eigene Blut- und damit Nahrungsversorgung. Und nur, wenn die Darmschleimhautzellen gut ernährt sind, können sie ihre Schutzfunktion gegen das Eindringen von Krankheitserregern ausreichend erfüllen.

Beginnen Sie vorsichtig (d.h. in kleinen Portionen) mit in Wasser gekochtem Hafer- oder Reisbrei, gequetschter Banane, geriebenem Apfel und/oder Zwieback. Beim Obst achten Sie bitte auf die hygienische Sicherheit. Zur Not sind auch Salzstangen geeignet, die zudem auch den Salzhaushalt regulieren helfen können.

Später können Sie dann – wenn möglich – gekochtes, leicht gesalzenes Gemüse verzehren, wobei Sie blähende Sorten wie Zwiebeln, Kohl und Hülsenfrüchte meiden sollten.

Vermeiden Sie jetzt und auch noch einige Tage nach Abklingen des Durchfalls fettige Speisen und Fleisch, Milchprodukte und Eier, die den Darm unnötig belasten. Essen Sie nur kleinere Portionen, dafür aber häufiger und bevorzugen Sie gekochte, pflanzliche Nahrungsmittel.
 
Einen schönen Urlaub!

Mit den beschriebenen Vorsichtsmaßnahmen, einer eventuellen Prophylaxe mit Probiotika und im Ernstfalle mit den geeigneten Mitteln und Verhaltensweisen sollte Ihrem unbeschwerten Urlaub nichts im Wege stehen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Urlaub.


 
Beratung

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Bitte informieren Sie sich auf meiner Praxis-Website »www.Ganzheitliche-Gesundheitsberatung.de«





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