Letzte Aktualisierung: 11.1.2018

»Behandlung« der Laktose-Intoleranz

Sie fragen sich, warum das Wort »Behandlung« in der Überschrift in Anführungszeichen gesetzt wurde? Wie Sie auf der Seite »Was ist Laktose-Intoleranz?« lesen können, ist die primäre Laktose-Intoleranz, um die es sich in der großen Mehrzahl der Fälle handelt, keine Krankheit, sondern der von der Natur vorgesehene Normalfall. Somit kann diese Form der Laktose-Intoleranz weder geheilt noch wie eine Krankheit »behandelt« werden.

Es gibt jedoch drei verschiedene Ansätze, mit einer Laktose-Intoleranz umzugehen, um auch in einem Umfeld von überwiegend laktosetoleranten Menschen und damit einer hier typischen, laktosehaltigen Ernährungsweise beschwerdefrei leben zu können: Zum einen ist das die Umstellung auf eine konsequent laktosefreie Ernährung. Zum anderen kann man nach Laktoseverzehr die im Darm fehlende oder dem Nahrungsangebot entsprechend unzureichend produzierte Laktase durch Enzym-Präparate zu ergänzen. Als dritte Möglichkeit kann man versuchen, die Darmflora mit Milchsäurebakterien anzureichern, deren eigener Stoffwechsel die Laktosespaltung unterstützt.

Lesen Sie hier, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Möglichkeiten haben und welches Fazit daraus gezogen werden kann.

Laktosefreie Ernährung

Der »Goldstandard« für eine beschwerdefreie Ernährung bei Laktose-Intoleranz ist das konsequente Meiden von Milchzucker. Wenn der Körper keine oder nur noch eine unzureichende Menge Laktase zum Aufspalten des Milchzuckers herstellt, wäre es natürlich, dass man keinen Milchzucker mehr verzehrt.

Bei dem überwiegenden Anteil der Weltbevölkerung in den meisten Ländern der Erde ist es natürlich und normal, dass nach dem Abstillen der Säuglinge nach und nach die Laktase-Produktion im Darm zurückgeht. Und deshalb enthält der Speisezettel in diesen Ländern auch keine nennenswerten Milchzuckerbestandteile. Nur in den nördlichen, lichtärmeren Ländern, in denen die Menschen überwiegend Träger einer Erbgutänderung sind, wodurch bis ins höhere Alter Laktase im Dünndarm produziert wird, werden viele Milchprodukte angeboten. Darüber hinaus wird dort vielen Speisen aus diversen Gründen Laktose beigemengt, was den Gesamtverzehr von Milchzucker drastisch erhöht – für laktoseintolerante Menschen, die hier leben, ist es deshalb nicht ganz einfach, sich laktosefrei zu ernähren.

Somit ergeben sich folgende Vor- und Nachteile: Der konsequente Verzicht auf laktosehaltige Nahrungsmittel garantiert einen absoluten Schutz vor allen Beschwerden, die durch den unverträglichen Milchzucker hervorgerufen werden. Da es jedoch bei uns trotz einer Deklarationspflicht von Laktose in verpackten Lebensmitteln nicht so ganz einfach ist, eine absolute Abstinenz zu garantieren, kann es durchaus sein, dass trotz aller Bemühungen noch Probleme auftreten.
 
Einnahme von Enzym-Präparaten

In den Apotheken, Reformhäusern und Drogeriemärkten werden mittlerweile diverse Präparate angeboten, die das Laktase-Enzym enthalten, das die fehlende oder unzureichende eigene Laktase-Produktion unterstützen oder ersetzen kann. Es gibt Tabletten zum Schlucken oder Kauen, Kapseln oder Pulver, die jeweils mit dem ersten Bissen der Mahlzeit eingenommen werden müssen. Die Mittel vermengen sich je nach Art bereits im Magen oder aber erst im Dünndarm mit den verzehrten Speisen und kommen so mit dem enthaltenen Milchzucker in Berührung und können ihn aufspalten.

Vorteil ist, dass mit der Einnahme der Laktase-Präparate trotz Laktose-Intoleranz Milchprodukte und laktosehaltige Speisen – zumindest in Maßen – verzehrt werden können.

Nachteil ist zum einen, dass es erforderlich ist, vorzuplanen und die nicht ganz preiswerten Präparate mit sich zu führen. Eine nachträgliche Einnahme ist nicht wirksam, die Präparate müssen immer mit dem ersten Bissen bzw. teilweise bei längeren Mahlzeiten zusätzlich noch während des Essens genommen werden. Darüber hinaus sind die Präparate nicht genauso wirksam wie die körpereigene Laktase – eine gänzliche Beschwerdefreiheit ist nicht unbedingt gewährleistet. Die Mittel müssen grundsätzlich selbst bezahlt werden, die Kosten werden nicht durch die Krankenkassen übernommen.

Lesen Sie hierzu auch den Beitrag zum Thema »Informationen zu Laktase-Präparaten«
 
Unterstützung der Darmflora mit Pro- und Präbiotika

Als Probiotika bezeichnet man Darmbakterien, die für den Menschen günstige Wirkungen entfalten. Hier sind insbesondere Milchsäurebakterien zu nennen, die selber Laktase produzieren, da sie Milchzucker für ihren eigenen Stoffwechsel nutzen. Somit kann eine hohe Besiedelung des Darmes mit den verschiedenen Stämmen von Milchsäurebakterien neben allen anderen positiven Wirkungen dieser Bakterienarten zu einer Aufspaltung von Milchzucker trotz Milchzucker-Unverträglichkeit beitragen. Es ist also insbesondere für laktoseintolerante Menschen wichtig und günstig, die Darmflora mit Milchsäurebakterien anzureichern. Hierzu eignet sich der verstärkte Verzehr von milchsauer eingelegtem Gemüse wie Sauerkraut, Roter Beete, Mixed Pickles u.Ä. Darüber hinaus gibt es Präparate aus der Apotheke und dem Reformhaus, die Milchsäurebakterien enthalten und die Darmflora damit anreichern.

Als Präbiotika werden Stoffe bezeichnet, die eigentlich für den Menschen unverdaubar sind, jedoch als »Futter« für die vorteilhaften Darmbakterien dienen können. Mit dem Verzehr von präbiotischen Nahrungsbestandteilen wird die Vermehrung der günstigen Darmbakterien unterstützt – die Darmflora wird somit mit diesen für den Menschen vorteilhaften Bakterienarten angereichert, die ungünstiger wirkenden oder gar krank machenden werden zurückgedrängt.

Viele pflanzliche Nahrungsmittel wie z.B. Chicoree, Schwarzwurzeln oder auch die Topinamburknolle enthalten einen hohen Anteil an präbiotischen Inhaltsstoffen. Präbiotika werden auch als Präparate zum Einnehmen in Apotheken oder Reformhäusern angeboten. Hier ist insbesondere das Inulin zu nennen, das eine günstige, verstärkende Wirkung auf Probiotika haben kann (nicht zu verwechseln mit dem Insulin, das für die Zuckerverwertung besonders den Diabetikern bekannt ist). Oftmals werden Kombipräparate aus Pro- und Präbiotika angeboten. Für empfindliche Menschen sei jedoch der Hinweis angebracht, dass Präbiotika u.U. selber Unverträglichkeitsreaktionen hervorrufen können. Eine vorsichtige Dosierung ist also angeraten.

Grundsätzlich ist es immer ein großer Vorteil, wenn die Darmflora viele Milchsäurebakterien enthält. Auch für die Laktoseverwertung ist eine hohe Dichte günstig. Vorteilhaft ist auch, dass Milchsäurebakterien prophylaktisch eingenommen werden, d.h. sie müssen regelmäßig zugeführt werden. Somit entfällt eine Einnahme direkt vor einer milchzuckerhaltigen Mahlzeit. Nachteilig ist jedoch, dass die Methode mit Milchsäurebakterien nur unterstützenden Charakter hat – ein gänzlich unbegrenzter Verzehr von Milchzucker ist nicht möglich, denn die Stoffwechselleistung der Bakterien ist auf jeden Fall begrenzt.
 
Fazit

Jede der hier aufgezählten Methoden hat ihre Vor- und Nachteile, und für die allerwenigsten Menschen mit Laktose-Intoleranz wird eine einzige Methode für sich allein das Nonplusultra sein. Am besten fährt man sicherlich immer, alle Methoden sinnvoll zu kombinieren.

Grundsätzlich sollte man bemüht sein, den Laktoseverzehr so weit wie möglich zu meiden, damit der Darm nicht unnötig gereizt wird. Je konsequenter man auf den Milchzucker verzichtet, umso weniger Beschwerden treten auf.

Für den Notfall ist es sicherlich sinnvoll, ein hoch dosiertes Laktase-Präparat dabei zu haben, denn es kann bei aller Bemühung um Konsequenz leider eben doch ab und an vorkommen, dass sich laktosehaltige Mahlzeiten nicht umgehen lassen oder man auch nicht verzichten möchte.

Darüber hinaus sollte man immer für eine gesunde Darmflora mit einer hohen Dichte von Milchsäurebakterien sorgen, denn sie begünstigen nicht nur die Laktosespaltung, auch für das Immunsystem und das Wohlbefinden insgesamt ist eine günstig zusammengesetzte Darmflora wichtig. Auch der Verzehr von Nahrungsmitteln mit einem hohen Anteil an präbiotischen Inhaltsstoffen wirkt sich in den meisten Fällen günstig auf eine gesunde Verdauung aus.

Somit ergibt sich, dass es meist nicht nur die eine Möglichkeit zum richtigen Umgang mit der Laktose-Intoleranz gibt – der Königsweg besteht (zumindest für mich) aus der durchdachten Kombination aller drei Methoden.


 
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Empfehlenswerte Literatur:
Das Laktose-Intoleranz Buch
Kurz und klar: Milchzucker-Unverträglichkeit

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